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Sind durchschnittlich 18 Arztbesuche im Jahr wirklich zu viel des Guten?
Von Internetapotheke 1-apo.de | 4.März 2010
Durchschnittlich acht Minuten verbringt jeder gesetzlich krankenversicherte Patient beim Arzt, den er jährlich 18 Mal aufsucht. Mit einer Bewertung, ob das eher gut oder schlecht ist, halten sich Experten allerdings zurück.
Der Vizechef der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, bezeichnet die 18 Besuche (2004: 16,4) als eine „international herausragende Zahl“. US-Amerikaner gehen durchschnittlich 3,8 Mal pro Jahr zum Arzt. Bürger der meisten OECD-Staaten ersuchen weniger als 10 Mal jährlich um ärztliche Hilfe.
Laut Arztreport der Barmer GEK gab es 2008 in Deutschland 1,5 Mrd. Arztkontakte – 224 pro Mediziner und Woche. Dabei bleiben dem Arzt im Schnitt nur acht Minuten für einen Patienten. Die Behandlungsrate von 92,9 % besagt, dass nur 7,1 % der Versicherten 2008 überhaupt nicht zum Arzt gingen.
Für den Vize der Barmer GEK sind diese Zahlen ein „Indiz für die hohe Akzeptanz eines starken Gesundheitssystems, das dem zunehmenden Bedarf auf qualitativ verlässliche Weise, also immer noch ohne große Wartezeiten beziehungsweise Unterschiede, gerecht wird“. Dass es sich dabei um Überversorgung handelt, bezweifelt Dr. Schlenker angesichts der Versorgungsprobleme, auf die die KBV regelmäßig aufmerksam macht. Eine Fehlversorgung erscheint ihm aber wegen der „Arztrennerei“ einzelner Patienten möglich. Eine schlüssige Interpretation der Durchschnittszahl 18 gebe es nicht. „Alles riecht aber danach, dass wir eine stärkere Steuerung zur Vermeidung von Drehtüreffekten und Doppeluntersuchungen brauchen“, so Dr. Schlenker.
Sehr niedrige Schwelle für Praxisbesuche
Professor Dr. Friedrich-Wilhelm Schwartz, Mitautor des Reports und ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen, sieht die Arztkontaktrate verursacht durch die „sehr niedrige Schwelle“ für den Arztbesuch. Andere Länder hätten Steuerungssysteme wie die Bindung an einen Hausarzt, Kostenerstattung oder hohe Praxisgebühren. Seinen Ausführungen zufolge besteht keine Korrelation zwischen Kontaktrate und Gesundheitszustand. Prof. Schwartz gibt auch zu bedenken, dass bei der Multiplikation von Kontaktrate und Behandlungsdauer Deutschland nicht mehr international vorn liegt, da in anderen Ländern die Kontakte länger dauern.
Ob die Praxisgebühr steuernd wirke, sei schwer zu beantworten, meint Dr. Schlenker. Der Hausarzt als Steuermann sei schon der richtige Ansatz. Allerdings erfreuten die laufenden Hausarztverträge die Ärzte zwar mit mehr Honorar, der Nutzen für die Patienten bleibe aber fraglich.
Quelle: MedicalTribune
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