Am besten nachts zur Tablette greifen?

Sonntag, 7. März 2010 | Von Frank Klesz | Kategorie: Arzneimittel

Die innere Uhr des Menschen beeinflusst die Wirkung von vielen Medikamenten. So ist es ganz und gar nicht egal, ob ein Schmerzmittel, ein Asthmamedikament, ein Blutdrucksenker oder ein Krebsmittel am Morgen, Mittag oder Abend eingenommen wird.
„Darf ich bitten zum Fango um Mitternacht?” – so könnten schon bald Therapeuten in Kurorten Heilung suchende Patienten fragen. Medizinisch macht das Sinn, denn Wärmebehandlungen wie Fango oder Sauna, die auf eine bessere Durchblutung der Haut und auf eine Gefäßerweiterung abzielen, sind in den Morgenstunden weniger wirkungsvoll. Dafür aber abends und vor allem gegen Mitternacht, wenn die Kerntemperatur des Körpers besonders niedrig ist. Auch in vielen anderen Bereichen gibt es gute Gründe, bei der Behandlung von Beschwerden oder Erkrankungen auf die innere Uhr zu schauen.
Vor allem spielt diese innere Uhr bei der Einnahme von Medikamenten eine wesentliche Rolle. Das gleiche Kreislaufmittel kann beispielsweise zehnmal stärker wirken, wenn es in den frühen Morgenstunden statt am       Abend in den Körper gelangt. Hier einige weitere Beispiele:
Acetylsalicylsäure (ASS) und andere Mittel mit schmerzlindernder und entzündungshemmender Wirkung aus der Gruppe der so genannten nicht-steroidalen Antirheumatika sollten nach Möglichkeit abends eingenommen werden. Sie werden im Magen aus noch nicht restlos geklärtem Grund am Abend besser als am Morgen vertragen.
Wer H2-Blocker einnehmen muss, sollte dies ebenfalls bevorzugt          abends tun – angeglichen an die tageszeitlichen Schwankungen der Säureproduktion im Magen. Allerdings sollte dann hinterher nichts mehr gegessen werden. Protonenpumpenhemmer hingegen verringern den Säuregehalt im Magen stärker, werden sie am Morgen eingenommen.
Bei Asthmatikern nimmt nachts die Lungenaktivität ab und der Spiegel der Hormone Cortisol und Adrenalin sinkt. Deshalb treten Asthmaanfälle in der nächtlichen Ruheperiode etwa 10-mal häufiger auf als am Tag. Ärzte empfehlen daher, bei Mitteln wie Theophyllin oder Salbutamol  abends die doppelte Menge wie am Morgen anzuwenden. Es gibt neuere Mittel, die ausschließlich abends genommen werden.
Rheumapatienten klagen vor allem in den Morgenstunden über Gelenksteifigkeit und Schwellungen. Meist bessern sich diese Beschwerden im Laufe des Tages. Deshalb wird empfohlen, Retardformen von Rheumamitteln am Abend einzunehmen, damit die morgendlichen Beschwerden gelindert werden.

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